Ming Dynastie

Ming Dynastie
1368-1644

Mit der Ming-Dynastie war nach vielen Jahrhunderten wieder eine rein chinesische Dynastie an die Macht gekommen, die das gesamte Reichsgebiet unter ihrer Kontrolle hatte. Es war dies allerdings auch die letzte chinesische Dynastie in der langen Geschichte Chinas. Denn die Qing-Dynastie, die China von 1644 bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts beherrschte, war wiederum eine Fremddynastie, n├Ąmlich das Herrscherhaus der Mandschuren.

Zhu Yuanzhang, der sich als erster Kaiser der Ming-Dynastie die Regierungsdevise ┬╗Umfassende Milit├Ąr (-gewalt)┬ź gab, stammte aus den untersten Volksschichten und war eine Zeitlang M├Ânch in einem buddhistischen Kloster gewesen. Er wird als gro├če F├╝hrernatur geschildert, soll sich aber auch durch arge Grausamkeit hervorgetan haben. Mehrere seiner ehemaligen Gener├Ąle, von denen er bef├╝rchtet, da├č sie sich gegen ihn auflehnen und ihn den Thron streitig machen k├Ânnten, lie├č er hinrichten. Obwohl es ihm gelungen war, die Mongolen zu vertreiben, sah er in diesen nach wie vor eine Gefahr f├╝r das Reich wie auch f├╝r seinen Thron. So kam es sowohl unter ihm als auch unter seinem Nachfolger noch zu mehreren Feldz├╝gen gegen diesen Feind im Norden, und im Jahr 1449 mu├čte das Ming-Heer sogar eine Niederlage hinnehmen, wobei der chinesische Kaiser in Gefangenschaft geriet und Peking belagert wurde. Um die Nordgrenze abzusichern, wurden dort Milit├Ąr-regionen errichtet und gro├če Kontingente von Garnisonstruppen stationiert. Nachdem die beiden s├╝dwestlichen Provinzen Sichuan und Yunnan 1382 wieder zur├╝ckerobert waren, befand sich das gesamte Kernland Chinas wieder fest in chinesischer Hand, und der Kaiser konnte sich mehr innenpolitischen Problemen widmen.

Die Herrschaft der Ming-Dynastie ist gekennzeichnet durch eine lange Friedensperiode, w├Ąhrend der das Land sich zu einem m├Ąchtigen, bl├╝henden Staatswesen entwickeln konnte. Weder in der Tang- noch in der Song-Zeit war das Regierungssystem so stark zentralisiert wie unter den Ming. Die ganz Macht im Staat war in der Person des Kaisers konzentriert. Nach dem Tod des Kaisers Hongwu folgte ihm sein 16j├Ąhriger Enkel auf den Thron, worauf es zu einem erbitterten B├╝rgerkrieg zwischen diesem und dem vierten Sohn Hongwus, der sich ├╝bergangen f├╝hlte, kam, in dessen Verlauf letzterer mit einem Heer von Nordchina in die Hauptstadt Nanjing zog und den Kampf f├╝r sich entschied. Er regierte sodann von 1403 bis 1424 unter der Regierungsdevise ┬╗Ewige Freude┬ź (Yongle). Unter Yongle, der auch als Kaiser Cheng-zu bekannt ist, hat die Machtentfaltung der Ming-Dynastie ihren H├Âhepunkt erreicht. Er verlegte 1421 die Hauptstadt von Nanking, das noch unter Hongwu zu einer gewaltigen Residenzstadt ausgebaut worden war, nach Peking. Von diesem Zeitpunkt an blieb Peking bis 1926 Hauptstadt Chinas.

Expedition der chinesischen Hochseeflotte

Die Regierungszeit des Kaiser-Cheng-zu ist aber vor allem wegen der aufsehenerregenden Expedition seiner Hochseeflotte weltweit bekannt geworden. Er veranla├čte den Bau riesiger Schiffe, die unter dem Kommando des Eunuchen Zheng He, eines aus Yunnan stammende Moslem, das S├╝dchinesische Meer und den Indischen Ozean durchquerten und bis an die K├╝ste Afrikas und Arabiens gelangte. Zheng-He wurde von Kaiser Cheng-zu wahrscheinlich deshalb als Leiter dieser Expeditionen ausgew├Ąhlt, weil er Mohammedaner war und die meisten L├Ąnder, welche die Flotte anzulaufen gedachte, ebenfalls unter muslimischer Herrschaft standen. In den Jahren 1405 bis 1433 wurden unter Cheng-zu und Seinen drei Nachfolgern insgesamt sieben See-Expeditionen durchgef├╝hrt, die Java und Sumatra wie auch verschiedene H├Ąfen in Indien und Sri-Lanka anliefen und sogar bis nach Arabien, Persien und Ostafrika vorstie├čen. Um diese Reise durchf├╝hren zu k├Ânnen, mu├čten die Chinesen damals bereits ├╝ber ein gro├čes technisches und logistisches Wissen verf├╝gt haben. Der Kompa├č, ebenfalls eine chinesische Erfindung, war ihnen ja, wie wir aus einer Quelle wissen, bereits seit Anfang des 12. Jahrhunderts bekannt und ist wahrscheinlich ├╝ber die Araber des 13. Jahrhunderts zu uns gelangt. Die mehr als 60 Schiffe der chinesischen Armada fa├čte zusammen zirka 28 000 Menschen und erregte in allen H├Ąfen, in denen sie einliefen, gro├če Bewunderung. In manchen Gegenden sollten sie die Bev├Âlkerung auch in Angst und Schrecken versetzt haben.

Aus welchen Motiven heraus die Chinesen diese ├Ąu├čerst kostspieligen Expeditionen, die meist zwei bis drei Jahre dauerten, unternahmen, ist bis heute ungekl├Ąrt. Sicherlich haben mehrere Gr├╝nde hierf├╝r eine Rolle gespielt. Ein Grund kann darin gesehen werden, da├č die Chinesen, nachdem sie das schwere Joch der Mongolen-herrschaft abgesch├╝ttelt hatten und wieder ein m├Ąchtiges, chinesisches Staatsgebilde errichtet hatten, der Welt diese Macht demonstrieren wollten: Alle Welt sollte wissen, da├č das Reich der Mitte und insbesondere der Kaiserhof in Peking das eigentliche Zentrum der Macht darstellte. In diesem Sinn hatten diese Expeditionen auch gro├čen Erfolg: Sie wurden mit gro├čen Geschenken ├╝berh├Ąuft, und im Jahr 1415 sandten 16 Staaten Tributgeschenke an den chinesischen Kaiser. Auch setzte nun eine ganze Reihe diplomatischer H├Âflichkeiten am chinesischen Kaiserhof ein.

Ein zweiter Grund dieser Unternehmen war sicherlich auch der Plan, die Handelsbeziehungen Chinas auszudehnen. Auch in dieser Richtung waren diese Seereise f├╝r China ein voller Erfolg. Neben einer Vielzahl von neuen Dingen, exotischer Tiere usw., die die Chinesen in diesen L├Ąndern kennenlernten und mit nach Hause brachten, erwarben sie auch umfangreiche geographische Kenntnisse ├╝ber die L├Ąnder, die sie bereisten. Angeblich hatten diese Expeditionen auch den Zweck, den zweiten Kaiser der Dynastie, dem Cheng-zu seinerzeit den Thron entrissen hatte und der seit dieser Zeit spurlos verschwunden war, ausfindig zu machen.

Ebenso ungel├Âst wie die verschiedenen Ursachen, die zu diesen gro├čen Seereisen gef├╝hrt haben, sind auch die Gr├╝nde, warum sie pl├Âtzlich so abrupt wieder abgebrochen wurden. Obwohl die Chinesen in der Ming-Zeit eine hochtechnisierte Flotte von gro├čer milit├Ąrischer Schlagkraft aufgebaut hatten, ├╝berlie├čen sie in der Folgezeit unverst├Ąndlicherweise die See anderen Nationen: zun├Ąchst den Arabern und dann sp├Ąter den Portugiesen und den Japanern. W├Ąre die chinesische Flotte damals weiter ausgebaut worden, h├Ątte vielleicht manches sp├Ątere Kapitel der chinesischen Geschichte, insbesondere auch das der Begegnung mit den Europ├Ąern, anders ausgesehen.
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Seer├Ąuber an Chinas K├╝ste

In der Folgezeit beschr├Ąnkte sich die chinesische Schiffahrt im wesentlichen auf ihre eigenen K├╝stengew├Ąsser und auf die Verteidigung ihrer Landesgrenzen. Der Seehandel wurde unterbunden. Durch den Ausfall der Seez├Âlle gingen auch die Staatseinnahmen zur├╝ck. Die Chinesen durften ihr Land nicht mehr verlassen. China kapselte sich immer mehr von seinen Nachbarn und von der Au├čenwelt ab. Seit Ende der Mongolenzeit wurde die chinesische K├╝ste immer wieder von japanischen Seepiraten heimgesucht. Die japanischen Beh├Ârden waren nicht in der Lage, die Aktivit├Ąten dieser Seer├Ąuber, die sich im Laufe der Zeit auch noch mit verschiedenen chinesischen kriminellen Elementen und R├Ąubern verbanden, einzud├Ąmmen. Die Hauptangriffsziele der Seer├Ąuber, die zun├Ąchst aus Japan kamen, sich sp├Ąter aber auf der Insel Zhusan einen ┬╗St├╝tzpunkt┬ź ausbauten, waren das M├╝ndungsgebiet des Langen Flusses (Yangzi Jiang) sowie die K├╝stenprovinz Jiangsu, Zheijiang und Fujian. Manchmal nahmen ihre ├ťbergriffe geradezu die Form einer Invasion an. So ├╝berfiel beispielsweise im Jahre 1560 eine Seer├Ąuberbande von 6000 Mann pl├╝ndern und brandschatzend die Stadt Chaozhou in der Provinz Fujian.

Gelegentlich zogen sie sogar den Langen Flu├č aufw├Ąrts und ├╝berfielen mehre St├Ądte an beiden Flu├čufern, richteten ein Blutbad unter der Bev├Âlkerung an, legten Feuer, pl├╝nderten und flohen mit reicher Beute ostw├Ąrts. Insgesamt dauerten diese Piraten├╝berf├Ąlle mehr als zwei Jahrhunderte, bis gegen Ende des 16. Jahrhunderts, an.

W├Ąhrend Chinas Norden auch w├Ąhrend der Ming-Zeit immer wieder Raubz├╝gen und Invasionen von seiten verschiedener Mongolenst├Ąmme ausgesetzt war, erwuchs dem Land an seiner Nordostflanke eine neue Gefahr. Kaum war das Piratenwesen an der K├╝ste unter Kontrolle gebracht, versuchte Japan ├╝ber Korea einen Angriff gegen China vorzutragen und schickte im Jahr 1592 eine gro├če Streitmacht nach Korea, das damals ein Vasallenstaat Chinas war. China eilte seinem Verb├╝ndeten mit einer Armee zu Hilfe. Nach mehreren Waffeng├Ąngen zwischen Chinesen und Japanern, bei denen keine Seite einen eindeutigen Sieg erringen konnte, zogen sich die Japaner 1598 wieder nach Japan zur├╝ck.

W├Ąhrend der Kriege gegen die Mongolen wurden vor allem in den n├Ârdlichen Provinzen viele ├äcker und Felder verw├╝stet, und die Landwirtschaft erlitt gro├čen Schaden. Um die landwirtschaftliche Produktion in diesen Gebieten so schnell wie m├Âglich wiederaufzubauen und die Bev├Âlkerung mit gen├╝gend Nahrungsmittel versorgen zu k├Ânnen, hatte bereits der erste Ming-Kaiser eine Reihe von wirksamen Ma├čnahmen getroffen. Saatkorn wurde an die Bauern verschenkt, der Pachtzins erlassen und die Steuern herabgesetzt. F├╝r die Urbarmachung von Brachland wurden besondere Beg├╝nstigungen gew├Ąhrt. Dennoch lie├č es sich auch in der Ming-Zeit nicht vermeiden, da├č sich in relativ kurzer Zeit bereits wieder ein gro├čer Teil des Grund und Bodens in den H├Ąnden des Kaiserhauses, der Aristokratie und der Beamten befand. Obwohl der Landbesitz der Beamten gesetzlich eingeschr├Ąnkt war, wurden doch immer wieder Mittel und Wege gefunden, diese Gesetzte zu umgehen. Auch den Gro├čgrundbesitzern gelang es, immer mehr Grund und Boden in ihr Eigentum ├╝berzuf├╝hren. Um die Bev├Âlkerung steuerm├Ą├čig zu erfassen, wurde eine Volksz├Ąhlung durchgef├╝hrt und das Land neu vermessen. Die Steuerabgaben konnten zun├Ąchst noch in Naturalien (Getreide, Reis, Seide) sowie auch in Bargeld (Silber) geleistet werden. Sie wurden zweimal j├Ąhrlich, im Sommer und im Herbst, eingehoben. Neben den Natural- und den Geldsteuern waren aber alle M├Ąnner vom 16. bis zum 60. Lebensjahr zur Ableistung von Arbeitsdienst verpflichtet. Daneben wurden sie auch zur Miliz, zum Postdienst sowie zu anderen Leistungen herangezogen. In der zweiten H├Ąlfte des 16. Jahrhunderts wurde ein neues Steuersystem, das sogenannte ┬╗Yi-tiao bian-fa┬ź, eingef├╝hrt. Dieses System sah eine Vereinfachung bzw. eine Zusammenfassung aller Steuerleistungen (Steuern, Arbeitsdienst usw.) in einer Einheit vor und wurde pro Fl├Ącheneinheit jeweils in Silber vorgeschrieben. Dies bedeutete die Aufgabe des Naturalsteuersystems und den allm├Ąhlichen ├ťbergang zu einem Steuer- und Pachtsystem in Bargeld. Da der Ausdruck ┬╗yi-tiao bian┬ź ┬╗(Alles in) einer Einheit┬ź in der gesprochenen chinesischen Sprache gleichzeitig auch ┬╗eine Peitsche┬ź bedeutete, war das neue System in China bald als das ┬╗Peitschenhieb-System┬ź bekannt.

Das geistige Leben Chinas w├Ąhrend der Ming-Zeit war sehr stark gepr├Ągt vom Gedanken der R├╝ckkehr zu den alten Wertvorstellungen und ethisch moralischen Grundlagen, welche die gro├čen Dynastien rein chinesischen Ursprungs (Tang, Song) geschaffen hatten. Danach r├╝ckte der Konfuzianismus wieder in den Mittelpunkt des geistigen Lebens in China. Im Gegensatz zur Mongolen-Zeit stand man den Fremdreligionen und damit auch dem Buddhismus skeptisch, manchmal sogar feindselig gegen├╝ber. Konfuzianischer Staatskult und Ahnenverehrung traten nun wieder in den Vordergrund. Die Mongolen waren geschlagen, das Fremde mu├čte dem Einheimischen weichen. China besann sich wieder auf seine eigenen Werte. Auch das Schul- und Pr├╝fungssystem, von dem ja in hohem Ma├če die geistige und die moralische Ausbildung des gesamten Beamtenapparates abhing, wurde in der Ming-Zeit weiter auf der Basis der konfuzianischen Staatsdoktrin ausgebaut. Die Grundlage des gesamten pr├╝fungssystems bildeten die konfuzianischen Klassiker, das hei├čt, die ┬╗Vier B├╝cher┬ź (Si-shu) und die ┬╗F├╝nf Kanoischen Werke┬ź (Wu-jing). W├Ąhrend der Regierungszeit des Kaisers Yongle waren diese Werke in einer allgemeinverbindlichen Form, basierend auf der Auslegung des Song-Philosophen Zhu Xi, neu herausgegeben worden. Jeder Kandidat mu├čte den Inhalt dieser Werke genauestens kennen und in der Lange sein, sie in der vorgeschriebenen, orthodoxen Form zu interpretieren. Selbstverst├Ąndlich wurde von den Kandidaten auch erwartet, da├č sie diese Werke nicht nur theoretisch beherrschen, sondern sich zutiefst mit deren Inhalt identifizierten und ihr Leben nach diesen ethisch-moralischen Grunds├Ątzen ausrichten. Obwohl dieses Ausbildungs- und Pr├╝fungssystem sehr einseitig war und dem Kandidaten Sachwissen abverlangte, hat es doch noch fast ein halbes Jahrtausend in China seine Dienste getan und Generationen von Beamten-Gelehrten hervorgebracht, welche (von Ausnahmen abgesehen) stets bem├╝ht waren, ihren Dienst gewissenhaft zu erf├╝llen.         nach oben

Schule und Erziehung

Die Grunderziehung fand auch werdend der Ming-Zeit im wesentlichen im h├Ąuslichen, privaten Bereich statt. Zwar war auch in dieser Epoche eine Vielzahl von staatlichen Regierungsschulen in den verschiedenen Pr├Ąfektur- und Kreisst├Ądten gegr├╝ndet worden, doch hatten diese eine ganz andere Funktion als beispielsweise unsere offiziellen staatlichen Schulen. An diesen Schulen wurde n├Ąmlich kein systematischer Unterricht in den verschiedenen F├Ąchern erteilt, sondern ihr Aufgabenbereich war darauf beschr├Ąnkt, in gewissen regelm├Ą├čigen Zeitabst├Ąnden Pr├╝fungen abzuhalten.

Die h├Âchste wissenschaftliche Institution im Staat war die sogenannte Hanlin-Akademie. An dieser kaiserlichen Akademie waren nur ausgew├Ąhlte, hochqualifizierte Gelehrte t├Ątig, welche den h├Âchsten akademischen Grad erworben hatten. Sie standen im wesentlichen im Dienst des Kaiserhauses. Ihre Aufgabe bestand vor allem darin, kaiserliche Dekrete und Erl├Ąsse zu konzipieren bzw. diesen in einem ausgefeilten klassischen Schriftstil sprachlichen Ausdruck zu verleihen. Neben einer weiteren ebenfalls kaiserlich-staatlichen Akademie, dem Guo-zi-jian, gab es ├╝berall im Land verstreut auch eine Vielzahl von privaten Akademien (shu-yuan), die nur zum Teil, wenn ├╝berhaupt, staatliche Unterst├╝tzung genossen. Meist wurden sie von Gro├čgrundbesitzern und beg├╝terten Kaufleuten gegr├╝ndet und unterhalten. Das Pr├╝fungssystem weist in der Ming- und in der Qing-Zeit ungef├Ąhr dieselbe Struktur auf und war in drei Stufen gegliedert. Bevor man zur ersten der drei staatlichen Pr├╝fungen zugelassen wurde, mu├čte man bereits auf Kreis-Ebene gewisse Vorpr├╝fungen abgelegt haben. Hatte man diese erfolgreich hinter sich gebracht, wurde man zur ersten Staatspr├╝fung, die in den verschiedenen Pr├Ąfekturst├Ądten abgehalten wurden, zugelassen. Wer diese mit Erfolg absolviert hatte, erhielt den Titel ┬╗xiu-cai┬ź (=bl├╝hendes Talent). Die offizielle Bezeichnung hierf├╝r war eigentlich ┬╗sheng-yuan┬ź. Damit geh├Ârte man bereits, wenngleich auch erst auf unterster Ebene, der Lieteratenklasse an und geno├č eine Reihe von Privilegien. Wer in seiner Karriere weiter nach oben strebte, mu├čte sich nach einer weiteren Vorpr├╝fung der zweiten Staatspr├╝fung unterziehen, die alle drei Jahre in der Provinzhauptstadt abgehalten wurde. Bestand man diese, so erlangte man den Titel ┬╗ju-ren┬ź (=Ausgew├Ąhlter bzw. empfohlener Mann). Bei dieser Pr├╝fung wurden bereits sehr hohe Anforderungen gestellt. Wer auch diese H├╝rde genommen hatte, konnte zur dritten Staatspr├╝fung, die alle drei Jahre in Peking stattfand, antreten. Nach Bestehen dieser Pr├╝fung war man ein sogenannter ┬╗jin-shi┬ź (vorger├╝ckter Gelehrter). Den kr├Ânenden Abschlu├č aller chinesischen Staatspr├╝fungen stellte die sogenannte Palastpr├╝fung (dian-shi) dar, deren Bestehen einmal das Tor zur Han-lin-Akademie oder zu einem anderen einflu├čreichen Posten ├Âffnete.

Mit der Ablegung der einzelnen Pr├╝fungen war zwar der Grundstein f├╝r eine erfolgversprechende Karriere gelegt, doch mu├čten verschiedene Pr├╝fungen (auf allen Ebenen) in regelm├Ą├čigen Abst├Ąnden wiederholt werden. Durch diese Ma├čnahme sollte gew├Ąhrleistet werden, da├č die einzelnen Beamten dem Staat stets mit voller Leistungskraft und unver├Ąnderten moralischen Grundprinzipien zur Verf├╝gung standen.                                                                         nach oben

Die ┬╗Gro├če Enzyklop├Ądie der Yongle-Periode┬ź

Die Ming-Dynastie hat auch eine Reihe gro├čartiger wissenschaftlicher Leistungen hervorgebracht. An erster Stelle mu├č in diesem Zusammenhang die ┬╗Gro├če Enzyklop├Ądie der Yongle-Periode┬ź Yongle dadian) erw├Ąhnt werden, an deren Komplikation ├╝ber 2000 Gelehrte von 1403 bis 1408 gearbeitet haben. Zweck der Erstellung dieser Universalenzyklop├Ądie war, die gesamten Schriften, die aus fr├╝hesten Zeiten bis in die Ming-Zeit erhalten geblieben waren, zu sammeln und der Nachwelt zu ├╝berliefern. Da bei diesem Projekt s├Ąmtliche Werke ├╝ber Geschichte, Staat und Recht, Philosophie, Geographie, Sprache und Schrift, Architektur und viele andere Gebiete mit aufgenommen wurden, nahm das Material einen so gigantischen Umfang an, da├č es gar nicht mehr gedruckt werden konnte. Es bestand in seiner Originalfassung aus ├╝ber 11 000 B├Ąnden, von denen sp├Ąter noch zwei Kopien angefertigt wurden. Leider sind sowohl das Originalwerk als auch beide Kopien zum gr├Â├čten Teil verlorengegangen. Nur zirka 400 B├Ąnde davon sind bis heute erhalten geblieben.

Ein weiters wichtiges Werk, das am Ende der Ming-Zeit von einem gewissen Song Yingxing verfa├čt wurde, ist das ┬╗Tian-gong kai-wu┬ź (=Erschlie├čung der Arbeiten der Natur). In diesem Werk sind die Produktionsmethoden sowie die technischen Herstellungs- und Bearbeitungsverfahren einer Vielzahl von Bodensch├Ątzen, nat├╝rlichen und k├╝nstlichen Produkten, zum Teil mit interessanten graphischen Darstellungen, beschrieben. Dieses Werk ist vor allem deshalb von gro├čer Bedeutung, weil es uns einen ├ťberblick ├╝ber den Stand der Technologie im China des 17. Jahrhunderts vermittelt, also gerade zu einem Zeitpunkt, in dem erstmals naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse aus dem Westen in gr├Â├čerem Umfang nach China gelangten.

Neben dem erw├Ąhnten Werk m├╝ssen auch die ┬╗Grundz├╝ge der Wurzeln und Gr├Ąser┬ź (Ben-cao gang-mu) des Li Shizhen besonders hervorgehoben werden. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Kompendium, in dem fast 2000 tierische, pflanzliche und mineralische Stoffe, die bei der Herstellung von Medikamenten Verwendung fanden, nebst einer Vielzahl von Rezepten beschrieben sind. Aus der Klassifikation der Pflanzen l├Ą├čt sich erkennen, da├č die Chinesen bereits damals ├╝ber ausgezeichnete botanische Fachkenntnisse verf├╝gten.

Wie wir bereits wissen, haben die Ming unter ihrem dritten Kaiser Yongle 1421 die Hauptstadt von Nanking nach Peking verlegt. Peking war bereits vorher, n├Ąmlich unter den Khitan, zeitweise deren zweite, s├╝dliche Hauptstadt gewesen und hatte auch unter den Dschurdschen unter der Bezeichnung ┬╗Zhong-du┬ź (=Mittlere Hauptstadt) als deren Hauptstadt fungiert. Die Stadt Zhong-du lag im S├╝dwesten des heutigen Peking und war bereits unter der Jin-Dynastie mit herrlichen Palastanlagen ausgestattet worden. Aber schon 1215 war die Stadt von den Mongolen unter Dschingis-Khan eingenommen und in Brand gesteckt worden, wobei die kaiserlichen Palastanlagen zu G├Ąnze abbrannten.

1267 hatten die Mongolen nord├Âstlich der alten Stadtmauern mit dem Wiederaufbau der Stadt begonnen, und f├╝nf Jahre sp├Ąter, noch vor der Eroberung ganz Chinas durch die Mongolen, hatte Kubilai-Khan wichtige Regierungs├Ąmter nach Peking, damals ┬╗Da-du┬ź ( = Gro├če Hauptstadt) genannt, verlegt. In Europa wurde die Stadt damals unter ihren t├╝rkischen Bezeichnung Chan-baliq ( = Cambaluc, Kaiser-Stadt) bekannt. Als Da-du ist Peking dann w├Ąhrend der gesamten Mongolen-Dynastie (1280 bis 1368) Hauptstadt geblieben. Die Stadt, die von den Mongolen in viel gr├Â├čeren Dimensionen als ihre Vorg├Ąngerin wiederaufgebaut worden war, barg hinter ihren Mauern eine Vielzahl von Pal├Ąsten, Parkanlagen mit Seen und ungeheure Kostbarkeiten aus dem ganzen Reich. Es ist die Stadt, die Marco Polo damals besucht und in seinem Buch beschrieben hat.

Stadtanlage von Peking

Nachdem Zhu Yuanzhang, der Gr├╝nder der Ming-Dynastie, die Mongolen vertrieben hatte, machte er Jinling zur Hauptstadt und nannte sie Nanking (Nanjing, w├Ârtlich: S├╝dliche Hauptstadt). Peking (Beijing, w├Ârtlich: N├Ârdliche Hauptstadt) wurde damals umbenannt in Beiping ( = N├Ârdlicher Friede). Jedoch bereits unter Kaiser Yongle wurde die Hauptstadt erneut nach Beiping verlegt und erhielt damit nat├╝rlich wieder den Namen Peking. W├Ąhrend der Ming-Dynastie hat sich die Stadtanlage von Peking nicht unwesentlich ver├Ąndert: W├Ąhrend die n├Ârdliche Stadtmauer weiter nach S├╝den verlegt wurde (wodurch ein Teil der fr├╝heren Mongolenstadt nunmehr au├čerhalb der Stadtmauer lag), kam es auch im s├╝dlichen Teil der Stadt dadurch zu einer gro├čen Ver├Ąnderung, da├č hier ein ganz neuer Stadtteil, der sich in der Zwischenzeit gebildet hatte, von drei Seiten mit einer gro├čen Mauer umgeben und mit dem n├Ârdlichen Teil verbunden wurde. Durch diese Ma├čnahme erhielt die Stadt Peking damals bereits jenen Grundri├č, der noch heute ihre Anlage charakterisiert: Eine quadratische Stadt im Norden, die sogenannte ┬╗Innere Stadt┬ź (nei-cheng). Im Zentrum der Inneren Stadt wiederum lag die ┬╗Kaiserstadt┬ź (huang-cheng), und deren Zentrum wiederum bildet die ┬╗Verbotene Stadt┬ź (zi-jin-cheng).                            nach oben

Der Kaiserpalast

Als Kaiser Yongle seine Residenz nach Peking verlegte, lie├č er den alten Kaiserpalast von Grund auf erneuern und die Palastanlage erweitern. Ferner lie├č er auch im S├╝den der Stadt den Himmelstempel und den Altar des Gottes des Ackerbaus errichten. Hier haben sowohl die Ming- als auch sp├Ąter dann die Qing-Kaiser jeden Fr├╝hling ihre Opfer dargebracht und um eine gute Ernte gebetet. Die ehemalige ┬╗Verbotene Stadt┬ź, das hei├čt die eigentlichen

Kaiserlichen Palastanlagen, sind im wesentlichen heute noch in der Form erhalten, in der sie in der Ming-Zeit erbaut worden sind. Es ist die imposanteste und auch die vollst├Ąndigste Anlage altchinesischer Baukunst, die bis heute erhalten geblieben ist. Auf allen Seiten von einer 10 Meter hohen Mauer und einem ├╝ber 50 Meter breiten Wassergraben umgeben, weist die Anlage eine Fl├Ąche von 720 000 Quadratmetern auf, auf der sich eine Vielzahl von Pal├Ąsten, Hallen, H├Ąusern und Pavillons (mit insgesamt 9000 R├Ąumen) in streng geometrisch-symmetrischer Anordnung erhebt. Die Palastanlage zerf├Ąllt in zwei Teile: Der S├╝dteil umfa├čt Pal├Ąste und Geb├Ąude, von denen aus die chinesischen Kaiser das Reich regierten. Den Nordteil bilden, von einzelnen Bauten, die dem Kaiserhaus ebenfalls f├╝r Amtszwecke zur Verf├╝gung standen, abgesehen, im wesentlichen Pal├Ąste und R├Ąumlichkeiten, die der kaiserlichen Familie als private Residenz dienten. Alle wichtigen Pal├Ąste waren bzw. sind im Zentrum der gesamten Anlage auf einer Nord-S├╝d-Achse angelegt. Im S├╝den, vom Haupteingang her kommend, erheben sich die Halle der H├Âchsten Harmonie (Tai-he-dian), die Halle der Vollkommenen Harmonie (Zhong-he-dian) und die Halle zur Bewahrung der Harmonie (Bao-he-dian). Daran schlie├čen sich im Norden ebenfalls auf der Zentralachse gelegen, der Palast der Himmlischen Reinheit (Qian-qing-gong), die Halle der Vereinigung (Jiao-tai-dian) und der Palast der Irdischen Ruhe (Kun-ning-gong) an (Link zu Illustration)

Von diesen Pal├Ąsten aus haben 24 Ming- und Qing-Kaiser ein halbes Jahrtausend lang die Geschichte Chinas geleitet. Des ├Âfteren sind bei Bauernaufst├Ąnden bewaffnete Bauernheere in die Verbotene Stadt eingedrungen und haben ihrem Unmut ├╝ber die schwere Unterdr├╝ckung und Ausbeutung, der sie im Verlauf der langen Geschichte Chinas so oft ausgesetzt waren, Ausdruck verliehen.

Europ├Ąer kommen auf dem Seeweg nach China

Die intensiven Handelsbeziehungen mit fremden L├Ąndern, die w├Ąhrend der Mongolen-Zeit noch in so gro├čem Umfang gepflegt worden waren, gingen in der Ming-Dynastie auf Grund der restriktiven Handelspolitik der Regierung stark zur├╝ck. Davon war sowohl der Handel ├╝ber Zentralasien als auch in ganz besonderem Ma├č der Seehandel betroffen, und China geriet immer mehr in eine Isolation. Dies fand zu einer Zeit statt, als die Hochseeschiffahrt im Westen gerade durch die gro├če Entdeckungsfahrten der Portugiesen, der Spanier und anderer Seefahrernationen ihren H├Âhepunkt erreichten.

Als erste Europ├Ąer hatten die Portugiesen ├╝ber S├╝dafrika einen Seeweg nach Indien gefunden und waren von dort aus weiter nach Malakka gesegelt, das sie 1511 besetzten. In den darauffolgenden Jahren durchkreuzten sie das S├╝dchinesische Meer, und im Jahr 1516 erreichte Raffel Perestrello auf einer malaiischen Dschunke das chinesische Festland. Bei den Chinesen waren die Portugiesen damals unter dem Namen ┬╗Fa-lang-ji┬ź ( = Franken) bekannt, einer Bezeichnung, die die Chinesen sp├Ąter auch auf andere europ├Ąische Nationen ausdehnten. W├Ąhrend sich die Chinesen ihnen gegen├╝ber recht freundlich verhielten, ├Ąnderte sich diese Situation durch das Verhalten der Portugiesen und f├╝hrte schlie├člich im Jahr 1522 zu ihrer Vertreibung. Obwohl es ihnen in den darauffolgenden Jahrzehnten wieder gelungen war, in den Provinzen Zhejiang und Fujian Fu├č zu fassen, wurden sie auch von dort wieder zum Verlassen ihrer St├╝tzpunkte gezwungen, und ihre Niederlassungen wurden zerst├Ârt.                                                                                 nach oben

Macau

Einige von ihnen flohen weiter nach S├╝den und lie├čen sich in der Gegend des heutigen Macau nieder, wo ihnen die chinesische Regierung gegen Zahlung eines Pachtzinses die Errichtung einer Enklave gestatten. Aus dieser Niederlassung hat sich in der Folge die Kolonie Macau entwickelt. Die bis heute unter portugiesischer Oberhoheit steht. Allerdings ist die Bedeutung der Stadt seit dem Aufbl├╝hen Hongkongs nach dem Opiumkrieg (1840 bis 1842) st├Ąndig zur├╝ckgegangen. Der Name Macau (portugiesisch: Macao) ist eine Wiedergabe des Chinesischen A-ma-cao und bedeutet w├Ârtlich: Hafen der ┬╗Ama┬ź. Die Gottheit ┬╗Ama┬ź, auch ┬╗Ma-zu┬ź genannt, alt als Schutzpatronin der Seefahrer. Die heutige Bezeichnung f├╝r Macau in der modernen chinesischen Hochsprache lautet ┬╗Ao-men┬ź, was soviel wie ┬╗Tor zur (Anker-) Bucht┬ź bedeutet. Wenngleich Hongkong, das zirka 65 Kilometer von Macao entfernt ist, der Stadt mittlerweile den Rang abgelaufen hat, so hat Macau dennoch an seinem Wahrzeichen, der Fassade der im 17 Jahrhundert erbauten und im 19. Jahrhundert abgebrannten S├ún-Paulo-Kathedrale, einen klingenden Namen.

Ungef├Ąhr zur selben Zeit wie die Portugiesen waren auch die Spanier unter F├╝hrung des Portugiesen Fern├úndo des Magalh├úes 1521 im Golf von Leyte (auf den heutigen Philippinen) gelandet und hatten die Inseln nominell der spanischen Oberhoheit unterstellt. Es dauerte jedoch noch ein paar Jahrzehnte, bis die die erste Siedlung auf dieser Inselwelt, die sie nach K├Ânig Philipp II. von Spanien Philippinen nannten, gr├╝nden konnten. Von dieser Basis aus landeten sie in der zweiten H├Ąlfte des 16. Jahrhunderts auch in China, mit dem sie der Folgezeit lebhafte Handelsbeziehungen unterhielten. Gro├če Mengen an Seide, Porzellanen und anderen G├╝tern wurden nach Europa und vor allem auch in die neugegr├╝ndeten spanischen Kolonien in Amerika exportiert. Die Bezahlung erfolgte meist in Silber, das, ebenfalls aus den Bergwerken Lateinamerikas Stammend, damals in gro├čen Mengen nach China flo├č.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren in Europa zwei Seem├Ąchte erstarkt, die Holl├Ąnder und die Engl├Ąnder, die den Spaniern und den Portugiesen im Fernen Osten ihren Platz streitig zu machen begannen. W├Ąhrend sich die Holl├Ąnder im allgemeinen zu einer starken Handelsmacht in Ostasien entwickelten, hatten ihre Handelsbeziehungen zu China wenig Erfolg. Sie nahmen zwar eine kleine Insel auf den Peskadoren, einer Inselgruppe zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan, ein und erbauten dort eine Befestigungsanlage, konnten diese aber gegen den Angriff der kaiserlichen Ming-Flotte nicht halten und mu├čten sie wieder r├Ąumen. (Bereits im Jahre 1590 waren portugiesische Schiffe auf der Insel Taiwan gelandet und hatten dort eine kleine Niederlassung gegr├╝ndet. Diesen portugiesischen Seefahrern verdankt die Insel auch heute noch ihren Namen, unter dem sie im Westen vorwiegend bekannt ist: ┬╗ilha formosa┬ź, die sch├Âne Insel.)       nach oben

Taiwan

In den Jahren 1622 bis 1624 gelang den Holl├Ąndern die Eroberung der Peskadoren und des S├╝dwestteils von Taiwan. Nachdem sie sich in Taiwan niedergelassen hatten, erbauten sie zwei gewaltige Befestigungsanlagen. Der Nordteil der Insel kam 1626 unter die Herrschaft der Spanier, wurde diesen aber von den Holl├Ąndern 1642 wieder entrissen, die fortan das gesamte Gebiet allein beherrschten, bis auch sie zwei Jahrzehnte sp├Ąter (1662) vom Ming-General Koxinga ( = Zheng Chenggong) endg├╝ltig aus dem Land vertrieben wurden. Im Jahre 1637 kamen als weitete europ├Ąische Gro├čmacht noch die Engl├Ąnder nach China, deren beherrschender Einflu├č als europ├Ąische Handelsmacht auf den s├╝dchinesischen K├╝stenraum aber erst in der Qing-Zeit konkrete Auswirkungen hatte. Ebenso traten auch die Beziehungen zwischen dem chinesischen und dem russischen Kaiserreich erst w├Ąhrend der Qing-Zeit in ein konkretes Stadium, wenngleich bereits w├Ąhrend der letzten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts und der ersten H├Ąlfte des 17. Jahrhunderts weite Gebiete Sibiriens vom Ob im Westen bis zur Lenk im fernen Osten von Kosakenheeren mit einer Reihe von Befestigungsanlagen und Aus├čenposten versehen und dadurch f├╝r den Verkehr etwas zug├Ąnglicher gemacht wurden. Das zaristische Ru├čland war damals am sibirischen Raum haupts├Ąchlich wegen des gro├čen Reichtums an Pelzen und Fellen, f├╝r die auch Tribut eingehoben wurde, interessiert.

W├Ąhrend der Ming-Zeit setzt auch die eigentliche Missionst├Ątigkeit katholischer Missionare in China ein. Zwar hatten schon w├Ąhrend der Mongolen-Zeit (1280 bis 1368) die ersten Missionsversuche von Franziskanern stattgefunden, doch war deren T├Ątigkeit damals im wesentlichen mehr auf Angeh├Ârige von Fremdv├Âlkern, die in der Hauptstadt lebten, beschr├Ąnkt gewesen. Dies d├╝rfte auch ein Grund daf├╝r gewesen sein, da├č die Missionare, die nunmehr nach China kamen, keinerlei katholische Gemeinden mehr dort vorfanden.

Die f├╝hrende Gestalt unter den nun auftretenden Jesuitenmissionaren ist der Italiener Mattea Ricci (chinesisch: Li Madou, geb. in Macerata 1551, gest. in Peking 1610). Er hatte in Italien nicht nur Theologie, sondern auch Rechtswissenschaft und vor allem Naturwissenschaft studiert, n├Ąmlich Mathematik, Physik, Astronomie und Kalenderwesen. Ricci verlie├č Lissabon im Fr├╝hling 1578 und traf im Herbst desselben Jahres in Goa (Indien) ein, wo er fast vier Jahre lang blieb. Erst 1582 ging dann die Reise nach Ostasien weiter, und im August dieses Jahres traf er in Macau ein. ├ťberzeugt, da├č er in seiner missionarischen T├Ątigkeit nur dann Erfolg haben werde, wenn er die Sprache und Schrift des Landes beherrschte und durch ein gr├╝ndliches Studium tief in die chinesische Kultur- und Geisteswelt eindringe, widmete er sich zun├Ąchst mehrere Jahre einem eingehenden Studium der Sprache und der klassischen Werke der gro├čen chinesischen Philosophen und Denker. Insbesondere vertiefte er sich in das Studium des Konfuzianismus, auf dessen S├Ąulen ja das Ming-Reich geistig ruhte. Nach 13 Jahren hatte Ricci mit einigen anderen Paters sein Ziel erreicht: Im Jahre 1601 erhielt er die Erlaubnis, in die Hauptstadt Peking zu reisen. Dieser Erfolg ist vor allem seiner ausgeglichenen Pers├Ânlichkeit zu verdanken, die es verstand, sich vom Eurozentrismus zu l├Âsen und sich tief in die chinesische Geistes- und Kulturwelt einzuf├╝gen, ja bis zu einem gewissen Grad sich sogar mit ihr zu identifizieren. Daneben d├╝rfte aber auch der Umstand eine rolle gespielt haben, da├č sich der damalige Kaiser und eine Reihe von W├╝rdentr├Ągern sehr f├╝r Naturwissenschaften und Technik, in denen Ricci und seine Kollegen ├╝ber ein reiches Wissen verf├╝gten, interessierten. Au├čerdem d├╝rfte ihn auch eine Reihe von einflu├čreichen chinesischen Freunden, unterst├╝tzt haben. Unter ihnen ist vor allem Xu Gangpi ( = Paul Xu) zu nennen, der das Amt eines Staatskanzlers bekleidete und selbst den katholischen Glauben angenommen hatte.

In Peking, wo Ricci noch zirka zehn Jahre lebte, widmete er sich auf der einen Seite der Mission, auf der anderen betrieb er weiterhin naturwissenschaftliche Studien. Bei seinem Tode im Jahre 1610 soll es in China etwa 2000 bis 3000 chinesische Christen gegeben haben.             nach oben

Adam Schall von Bell

Der Nachfolger Riccis war der deutsche Jesuit Adam Schall von Bell (1591 bis 1666). Er wurde als Astronom an den kaiserlichen Hof berufen, wo er mit verschiedenen chinesischen Gelehrten zusammenarbeitete. Der Astronomie kam damals eine au├čerordentlich gro├če Bedeutung zu: In enger Zusammenarbeit zwischen den Jesuitenmissionaren, die eine nicht unbedeutende Bibliothek mit europ├Ąischen Werken aufgebaut hatten, und chinesischen Wissenschaftlern und Gelehrten kam es im Laufe der Jahrzehnte zu einer guten Zusammenarbeit und einer regen gemeinsamen Publikationst├Ątigkeit. Die gemeinsam herausgegebenen Werke hatten zum Teil Themen der christlichen Religion zum Inhalt, behandelten daneben aber auch die verschiedensten Gebiete der Natur- und Geisteswissenschaften und anderen Disziplinen.

Nach den Jesuiten erhielten dann allm├Ąhlich auch die Franziskaner, die Dominikaner und die Augustiner das Recht, in China zu missionieren. Zwischen diesen und den Jesuiten entwickelte sich dann gegen Ende der Ming-Dynastie ein gro├čer Streit dar├╝ber, mit welcher Bezeichnung der christliche Gottesbegriff im Chinesischen wiedergegeben und vor allem, wie weit die Konfuzius- und Ahnenverehrung bei chinesischen Christen geduldet werden sollte. Diese Auseinandersetzung, die ihren H├Âhepunkt in der Qing-Zeit erreichte, hat der christlichen Mission in China sehr geschadet. Die Bl├╝tezeit, in der sich der Ming-Staat ungest├Ârt entwickeln konnte, war nur von kurzer Dauer. Bald schon fielen wieder im Norden die Mongolen und im Nordosten des Reiches, in Korea, die Japaner ein. Die K├╝ste wiederum immer wieder von japanischen Seer├Ąubern heimgesucht. Der gr├Â├čte und gef├Ąhrlichste Fein jedoch erwuchs den Chinesen zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Nordosten des Reiches. Dort hatten sich n├Ąmlich in den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts verschiedene tungusische St├Ąmme unter F├╝hrung ihres H├Ąuptlings Nurhatschi zusammengeschlossen. Im Jahre 1616 gr├╝ndete dieser eine neue Dynastie, die er in Anlehnung an seine Stammesvorfahren, den Dschurdschen, Sp├Ąte(re) Jin-Dynastie nannte. Im Jahre 1636 wurde dieser Name in Qing- ( = die reine, glanzvolle) Dynastie umgewandelt. 1621 fiel er ins Ming-Reich ein, besetzte die Stadt Liaoyang und machte sie zur Hauptstadt. Vier Jahre Sp├Ąter verlegte er sie nach Shenyang.

Schon gegen Ende des vorangegangenen Jahrhunderts hatte Nurhatschi f├╝r sein halbnomadisches Volk, die Mandschuren, auf der Basis des mongolischen Schriftsystems eine eigene Schrift konzipieren lassen, die sich nur durch ein paar zus├Ątzliche Buchstaben und die Verwendung einiger diakritischer Zeichen von letzterer unterschied. Kurz nach der Jahrhundertwende f├╝hrte er bei seinen Truppen, die sich nicht nur aus Mandschuren, sondern auch aus Mongolen, Chinesen und Koreanern zusammensetzten, eine Neuorganisation durch und teilte diese nach der Farbe ihrer Banner (wei├č, gelb, blau, rot) in vier Regimenter zu je 300 Soldaten ein. Sp├Ąter wurde jedes einzelne Kontingent nochmals in zwei Gruppen unterteilt, woraus dann die ┬╗Acht Banner┬ź entstanden, die noch etwas sp├Ąter sogar auf 24 erweitert wurden.

In China selbst hatte sich die Lage in den ersten drei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts dramatisch verschlechtert. Eunuchen hatten am Hof die Macht an sich gerissen, und unter der Beamtenschaft hatte sich arge Korruption breitgemacht. Die Bauern litten unter einer dr├╝ckenden Steuerlast, die noch durch weitere Zusatzabgaben erh├Âht wurde. Dann kam noch eine Naturkatastrophe in Form einer D├╝rre in der Provinz Shaanxi; eine Hungersnot war die Folge.

Da scharten sich die Bauern im Jahre 1628 in mehreren Teilen des Reiches in einem gro├čen Aufstand zusammen, dem sich auch noch andere Gruppen anschlossen. Ihre Anf├╝hrer waren Zhang Xianzhong und Li Zicheng. Das Bauernheer unter Zhang marschierte von Henan und Anhui nach Hubei und Hunan und nahm 1643 Sichuan ein, wo sich Zhang zum Herrscher ├╝ber diese Provinz machte. Li f├╝hrte seine Bauernarmee von Shaanxi ├╝ber Shanxi in Richtung Peking, das er 1644 einnahm. Zhuang-li-di (Regierungsdevise Chongzhen)), der letzte Kaiser der Ming-Dynastie, erh├Ąngte sich angesichts der verzweifelten Lage in einem Pavillon auf dem Kohlenh├╝gel n├Ârdlich der Kaiserstadt. Eine Reihe von Angeh├Ârigen des Kaiserhauses floh nach S├╝den, in der Hoffnung, dort eine neue Streitmacht aufstellen und die Macht wieder an sich rei├čen zu k├Ânnen. Doch das Volk zeigte kein Interesse, jene Dynastie, die ihm so gro├č Opfer abverlangt hatte, zu retten. Als einziger h├Ątte vielleicht der Ming-General Wu Sangui noch eine Entscheidung zugunsten der Ming-Dynastie herbeif├╝hren k├Ânnen. Doch er machte gemeinsame Sache mit den Mandschuren, die bereits mit einer Armee von etwa 170000 Mann (davon nur zirka die H├Ąlfte Mandschus) an der Chinesischen Mauer standen und ihre Stunde nunmehr f├╝r gekommen sahen. Zusammen mit den Truppen Wu Sanguis r├╝ckten nun die Mandschuren auf die Hauptstadt vor und nahmen sie ein.                                                                                                                               nach oben

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