Späte Han

Späte östlich Han Dynastie

24 bis 220

 Feldzug nach Zentralasien

Als Sieger aus diesen Wirren ging Liu Xiu hervor, der nach seinem Tode den Namen Guang-Wu-di, “Glanzvoller kriegerischer Kaiser”, erhielt. Doch es dauerte noch geraume Zeit, bis er das Reich wieder befriedet hatte. Die Hauptstadt Chang’an war während der Aufstände geplĂĽndert und niedergebrannt worden, weswegen Guang-Wu-di, der aus Henan stammte, das weiter im Osten gelegene Luoyang als Hauptstadt wählte. Luoyang war schon frĂĽher einmal, während der Ă–stlichen Zhou-Dynastie, Hauptstadt gewesen. Wegen der Verlegung der Hauptstadt von Chang’an nach Luoyang nannte man die FrĂĽhe(re) Han-Dynastie auch die Westliche, und die Späte(re) Han-Dynastie die Ă–stliche Han-Dynastie. 

Guang-Wu-di unterdrückte den Aufstand der »Roten Augenbrauen« und baute wieder einen funktionierenden zentralen Verwaltungsapparat auf. Er ließ das Land neu vermessen, um eine Grundlage für die Besteuerung des Volkes zu haben. Ferner befahl er, sämtliche Sklaven im Reiche freizulassen.

Die Wirtschaft wurde neu belebt, zerstörte und in Verfall geratene Bewässerungsanlagen wurden wieder funktionstüchtig gemacht. In wenigen Jahrzehnten erreichte die landwirtschaftliche Produktion eine neue Blütezeit. Ebenso nahm auch das Handwerk einen bedeutenden Aufschwung.

Im Laufe der Zeit hatte sich allmählich wieder eine Großgrundbesitzerklasse herausgebildet, bei denen es sich zum Teil um dieselben Clans handelte, die schon während der Westlichen Han-Zeit auf Kosten der Bauern, an die sie ihr Land zu horrenden Pachtzinsen verpachtet hatten, ein recht angenehmes und luxuriöses Leben führten. Korruption und Vetternwirtschaft breiteten sich immer mehr aus.

Im Süden und im Südwesten des Reiches hatten sich während der Wirren im Norden einzelne Gegenden wieder selbständig gemacht. Guang-Wu-di entsandte daher einen General Ma Yuan, der diese Gebiete in Südchina und in Nordvietnam wieder zurückeroberte und dem Kaiserhaus unterstellte.

Durch eine groĂźe Einwanderungswelle während des Interregnums von Wang Mang und der anschlieĂźenden Aufstände in Nordchina war die Bevölkerungszahl in diesem Gebiet stark angewachsen. 

Da auch im Westen und im Nordwesten Chinas Unabhängigkeitsbestrebungen im Gange waren und einzelne Tributstaaten Zentralasiens die chinesische Oberhoheit abschĂĽtteln, auf der anderen Seite aber die noch immer gefährlichen nördlichen Xiongnu (die sĂĽdlichen Xiongnu hatten sich in der Zwischenzeit den Chinesen unterstellen mĂĽssen) dieses Gebiet wieder unter ihre Kontrolle bringen wollten und eine Wiedervereinigung von nördlichen und sĂĽdlichen Xiongnu zu befĂĽrchten war, entschloĂź sich Kaiser Ming (57 bis 75 n.Chr.), Zentralasien wieder voll der chinesischen Souveränität zu unterstellen und die Xiongnu als Machtfaktor endgĂĽltig auszuschalten.  

So kam es im Jahre 73 n.Chr. zu einem großen Feldzug nach Zentralasien unter Führung von Dou Gu und zu weiteren militärischen Expeditionen, in deren Verlauf die Xiongnu geschlagen und das gesamte Tarimbecken mit seinen Stadtstaaten wieder zurückerobert wurde.

Ban Chao, ein Bruder des Historikers Ban Gu, wurde in Kuqa als Generalprotektor (Duhu) ĂĽber die Westgebiete eingesetzt. Ban Chao fĂĽhrte in der Folge ein groĂźes Heer ĂĽber den Pamir und eroberte weite Gebiete jenseits dieses gewaltigen Gebirgsmassivs, darunter auch das Reich der Yuenhi.

Wenngleich die Chinesen die Oberhoheit ĂĽber den zentralasischen Raum noch eine Zeitlang aufrechterhalten konnten, so hatte die mit dem Beginn der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts einsetzende Verschlechterung der finanziellen Situation und der damit verbundenen Verfall der Zentralgewalt, der dann auch mit dem Sturz der Dynastie endete, zur Folge, daĂź auch diese Gebiete dem Reich – allerdings nur vorĂĽbergehend – wieder verloren gingen.                 nach oben

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