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Yuan Dynastie Reichseinteilung durch die Mongolen Nach den Zusammenbruch der Tang-Dynastie (906) war China fast vier Jahrhunderte lang in mehrere Teilstaaten aufgespalten. Fremddynastien beherrschten den Norden, der Machtbereich des chinesischen Kaiserhauses der Song war auf den Süden des Reiches beschränkt. Bereits im 12. Jahrhundert war ab 1127 das nomadische Reitervolk der Mongolen in den nördlichen von China gelegenen Steppen- und Wüstengebieten zu ungeheurer Macht erstarkt. Den Höhepunkt ihrer Macht erreichten die Mongolen jedoch erst im 13. Jahrhundert unter Dschingis-Khan sowie unter seinen Söhnen und Enkeln. Neugliederung und Straffung des mongolischen Reiterheeres Im Jahre 1206, einem »Tigerjahr«, war Dschingis-Khan an der Quelle des Onon von den Sippenältesten und Stammeshäuptlingen der mongolischen Stämme und Völker zum »qagan« (=Khan), zum Kaiser des mongolischen Steppenreichs, gewählt worden. Unmittelbar nach seiner Wahl zum Khan aller Mongolen führte er eine Neugliederung und Straffung des mongolischen Reiterheeres durch, das in der Folge die Völker vom Pazifischen Ozean im Osten bis nach Mitteleuropa im Westen erzittern ließ. Die frühere Unterteilung des Mongolenheeres nach Sippen, Stämme und Völker mußte einer neuen Strukturierung nach Dezimaleinheiten weichen: Zehn Zehnerschaften bildeten eine Hundertschaft, zehn Hundertschaften eine Tausendschaft, zehn Tausendschaften eine Zehntausendschaft (=tümen). Die Offiziere, die diese Einheiten befehligten, waren nicht mehr wie früher Stammeshäuptlinge oder Steppenaristokraten, sonder vom Khan persönlich ernannte Heeresführer und Kommandeure. Die Aufstellung von Truppenkontingeten nach Dezimaleinheiten wurde strengstens eingehalten. War die volle Zahl mit einheimischen Mongolenkriegern nicht zu erreichen, wurde der Rest mit stammesfremden Reitern bzw. Soldaten aufgefüllt. Bedingungsloser Gehorsam, strenge Disziplin und hervorragende reiterische Fähigkeiten waren denn auch der Schlüssel zu den großen Erfolgen der mongolischen Reiterhorden. Zur Zeit der Vernichtung des Xi-xia-Staates hatte die mongolische Armee eine Stärke von zirka 130 000 Mann, auf dem Höhepunkt ihrer militärischen Machtentfaltung ungefähr die doppelte Anzahl. Die Gesamtzahl der mongolischen Bevölkerung im 14. Jahrhundert wird auf ein bis drei Millionen geschätzt. Siegesreiche Feldzüge Bereits unmittelbar nach der Wahl von Dschingis-Khan zu obersten Herrscher aller Mongolen setzte eine Reihe von Feldzügen ein, die als die grausamsten und blutigsten in die Geschichte eingegangen sind. Die ersten dieser Feldzüge galten den unmittelbaren Nachbarn, den Tanguten und den Dschurdschen. Während die Tanguten 1209 den Mongolen unterlagen und ihre Oberhoheit anerkennen mußten, fielen in den Jahren 1211 bis 12115 auch große Teile des Dschurdschen-Reiches, darunter deren Hauptstadt Peking, den Mongolen in die Hände. Die endgültige Vernichtung des Tanguten-Reiches und damit der Untergang der Xi-xia-Dynastie erfolgte im Jahr 1227, der totale Sieg über die Jin-Dynastie der Dschurdschen 12134. Damit hatten die Mongolen ganz Nordchina unter ihrer Kontrolle. Bereits vorher, noch unter Dschingis-Khan selbst, war das Reich der Westlichen Liao, einer Splittergruppe des großen Khitan-Volkes, das der Vernichtung entgangen war, dem Mongolenreich einverleibt worden. Auch das große türkische Reich der Khwarezmer war dem Ansturm der Mongolen nicht gewachsen. In China selbst reichte das Mongolenreich mittlerweile bis zum Huai-Fluß, der vorher auch die Grenze zwischen dem Süd-Song-Staat und den Dschurdschen gebildet hatte. Nachdem Dschingis-Khan 1227 im Alter von 60 Jahren den Tod gefunden hatte, führten seine vier Söhne Ogadai, Tschaghatai, Dschötschi und Tolui sowie seine Enkel sein Werk fort: Unter Führung des Großkhans Möngke, eines Sohnes von Tolui, drangen sie immer weiter nach Süden vor und eroberten die südwestlichen Gebiete bin in die Gegend des heutigen Vietnam. Als der Großkhna Möngke im Jahr 1259 in Sichaun starb, folgte im sein Bruder Khubilai als Großkhan nach. Khubilai gehörte ohne Zweifel zu den größten und fähigsten Herrschergestalten des Fernen Ostens. 1260 zum Großkhan gewählt, kam es zunächst zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem Bruder, der ebenfalls Anspruch auf den Thron erhob. Khubilai blieb jedoch Sieger, und der widmete seine ganze Kraft und Energie der Eroberung Chinas. 1276 überschritt er mit seinem wendigen Reiterheer den Langen Fluß (Yangzi Jiang) und nahm Hangzou, die Hauptstadt der Südlichen Song-Dynastie, ein. Von dort zog er weiter nach Süden und eroberte auch Guangzou, die letzte Bastion im Süden des Reichs. Nachdem dann auch die noch übriggebliebenen Kriegsschiffe der Song-Flotte zerstört waren und die letzten Mitglieder der kaiserlichen Familie, die auf einem Schiff aufs Meer hinaus geflohen waren, sich in ihrer Verzweiflung ins Meer gestürzt hatten, stand der totalen Machtübernahme durch die Mongolen und der Gründung einer neuen Dynastie kein Hindernis mehr entgegen. nach oben Da-du und Shang-du Die neue Dynastie erhielt den Namen Yuan (Ursprung, Anfang). Es war dies das erste Mal in der Geschichte Chinas, daß eine Dynastie ihren Namen nicht von einer geographischen Bezeichnung bzw. einem Clan- oder Stannesnamen ableitet. Die Hauptstadt des Mongolenreiches wurde von Karakorum in der Mongolei nach Da-du (=große Hauptstadt, heute Peking) verlegt. Sommerresidenz der Mongolen wurde Shang-du (=obere Hauptstadt, beim heutigen Dolonnur in der Inneren Mongolei). Nach der Eroberung Chinas stand die Yuan-Dynastie, die erste Fremddynastie, die das gesamte Staatsgebiet Chinas unter Kontrolle hatte, vor gewaltigen administrativen Problemen. Wenngleich die Mongolen im wesentlichen den chinesischen Verwaltungsapparat, wie er bereits in der Tang- und der Song-Zeit gehandhabt wurde, übernahmen, so ergaben sich dennoch viele Schwierigkeiten, die die neuen Machthaber vor allem mit Hilfe eines fähigen Ministers, eines geborenen Khitans namens Yelü Chucai, und anderer chinesischer Berater zu bewältigen versuchten. Um das Land leichter regieren zu können, teilten die Mongolen die Bevölkerung des Reiches in vier Gruppen ein, denen jeweils unterschiedliche Rechte zustanden. Vier Bevölkerungskategorien Die Spitze des Staatsvolkes bildeten natürlich die Mongolen selbst, welche die regierende Oberschicht darstellten (Meng-gu-ren). In einem Gesetzeskodex der Yuan-Zeit, dem Yuan-dian-zhang, sind die Rechte der einzelnen Klassen jeweils genau festgehalten. So wurden z.B. weder der Nord- noch Südchinesen beim Militärdienst in leitende Offiziersstellungen aufgenommen noch auf höhere Verwaltungsposten berufen. Auch war der Privatgebrauch von Waffen nur den Mongolen und ihren engsten Mitarbeitern, den Se-mu-ren, erlaubt. Während im Gebiet südlich des Yangzi-Flusses die landwirtschaftliche Produktion in ungefähr derselben Form, wie sie bereits während der Südlichen Song-Dynastie dort bestanden hatte, weiterbetrieben wurde, ist sie im Norden Chinas stark beeinträchtigt worden. Auf der einen Seite wurden nämlich ausgedehnte Staatsländereien von den Mongolen beschlagnahmt und an mongolische Adelsfamilien verteilt. Andererseits wurden auch chinesischen Bauern im Norden Chinas häufig ihre Felder unter ihr Ackerland entrissen und als Weideland für die vielen Pferde, die die Mongolen mitgebracht hatten, verwendet. nach oben Ausbau des Kaiserkanals Wenngleich die Bauprojekte, die während der Yuan-Dynastien durchgeführt wurden, bei weitem nicht das Ausmaß einiger früheren Dynastien erreichten, so machten doch einige administrative Maßnahmen wie etwa die Verlegung der Hauptstadt noch Peking einen weiteren Ausbau der Transportwege notwendig. So wurde, um die Hauptstadt mit Korn und Reis aus dem fruchtbaren Süden zu versorgen, das bereits existierende System des Großen Kanals oder »Kaiserkanal« durch einen »Verbindungskanal« im Norden erweitert. Ferner blühte auch der Handel im 14. Jahrhundert in China erneut auf. Die Landverbindung nach Zentralasien und darüber hinaus bis Indien Mittleren und Vorderen Orient war nach Beendigung der Eroberungskriege in diesem Raum wieder uneingeschränkt hergestellt. Papiergeld, Postwesen Einen weiteren Aufschwung erfuhr der Handel vor allem auch durch die immer stärkere Verwendung und Verbreitung von Papiergeld als öffentliches Zahlungsmittel, welches bereits in der Song-Zeit aufgekommen war. Auch der Ausbau eines Postsystems mit einem immer enger werdenden Netz von Poststationen wirkte sich sehr positiv auf den Handel aus. Neben dem Binnenhandel entwickelte sich auch der Seehandel in einer Reihe chinesischer Städte wie Guangzhou, Quanzhou, Shanghai, Ningbo, Wenzhou und anderen zu höchster Blüte. Marco Polo Im Zeitalter der Mongolen-Dynastie kamen sich auch China und Europa geistig näher. Eine ganze Reihe von Europäern, meist Kaufleute und Missionaren, waren auf dem Landwege über Zentralasien nach China gereist und haben nach ihrer Rückkehr in Europa vieles über China erzählt. Der bekannteste dieser Reisenden war Marco Polo (1254 bis 1324), der ein umfangreiches Werk über das China in der Mongolenzeit, über den Kaiserhof, über Sitten und Gebräuche geschrieben hat. Leider ist die Originalfassung nicht erhalten geblieben, doch existiert das Werk in mehr als 100 verschiedenen Manuskripten, von denen die meisten in lateinischer, französischer oder italienischer Sprache abgefaßt sind, wobei sich die einzelnen Texte manchmal nicht unerheblich voneinander unterscheiden. Der Vater Marco Polos, Niccolo Polo, und dessen Bruder Maffeo hatten bereits zwischen 1260 und 1269 eine Reise nach China unternommen und Marco auf einer zweiten Reise, die sie im Jahr 1271 antraten, mitgenommen. Ihr Weg führte sie über Palästina und Täbris an den Persischen Golf und von dort weiter über Persien nach Pakistan. Dann überquerten sie das Pamir-Gebirge und zogen entlang der Wüste Taklamakan über Lop Nor in die Hauptstadt des Mongolenkaisers Khubilai. Anschließend stand Marco Polo siebzehn Jahre lang (von 1275 bis 1292) im Dienste des Mongolenhaus. Im Jahr 1292 traten die drei Venezianer wieder ihre Heimreise an, und zwar zur See über das Südchinesische Meer, entlang den Küsten von Vietnam, Sumatra, Sri-Lanka, Vorderindien bis an den Persischen Golf. Von dort aus reisten sie über Persien und Armenien zu Land nach Konstantinopel, von wo sie wiederum mit dem Schiff nach Venedig fuhren (1295). Seinen langen und ausführlichen Bericht über die Reise nach China und den siebenjährigen Aufenthalt diktierte er schließlich in einem genuesischen Gefängnis einem Mithäftling in französischer Sprache. Obwohl der Bericht eine Reihe von Ungereimtheiten und Übertreibungen enthält, gehört er mit zu den interessantesten und aufschlußreichsten überhaupt. Da Marco Polo in seinen Ausführungen von einer Kultur und Zivilisation im Fernen Osten berichtete, die der unseren damals weit überlegen war, wollte man ihm zunächst keinen Glauben schenken, und er wurde mit dem Beinamen der »Aufschneider« bedacht. nach oben Franziskanermission Neben Kaufleuten und Händlern kam es in der Mongolenzeit auch zu einer ersten Kontaktaufnahme zwischen China und der römisch-katholischen Kirche. Nachen die Kreuzzüge in das Heilige Land nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte und die letzten christlichen Besitzungen dort bereits ein Jahrzehnt nach der Machtergreifung der Mongolen in China von den Mohammedanern erobert worden waren, entsandte der Heilige Stuhl eine Reihe von Franziskanermönche in die Mongolei und nach China, um sich dort nach Möglichkeiten einer Missionierung dieser Gebiete zu erkundigen und gleichzeitig wahrscheinlich auch, um zu sondieren, wieweit das christliche Abendland eventuell von mongolischer Seite mit Hilfe gegen die Mohammedaner rechnen könne. Unter Johann von Montecorvino, einem italaienischen Franziskanerpater, der 1295 in Peking eintraf, wurde eine katholische Kirche, wahrscheinlich die erste in China, erbaut. 1304 wurden in Peking 6000 Menschen getauft, drei Jahre später Johann von Montecorvino zum neuen Erzbischof von Cambaluc ( = Peking) ernannt. Zwei weitere Franziskanermönche, die ebenfalls in dieser Zeit in China tätig waren, sind Oderich von Pordenone und Johann von Marignolli. Letzterer, von Papst Benedikt XII. 1340 nach China entsandt, erreichte China auf dem Landweg und wurde 1342 vom Mongolenkaiser in Peking empfangen. Die Mongolenkaiser zeigten sowohl in bezug auf die etablierte Religion wie Buddhismus, Taoismus und nestorianisches Christentum als auch den beiden neu eingeführten Religionen, dem Islam und dem Katholizismus gegenüber, große Toleranz. Alle religiösen Einrichtungen wie Tempel und Klöster (auch die Konfuzianischen Tempel) waren von sämtlichen Steuern befreit. Die Mongolen selbst nahmen häufig die Religion jenes Gebietes an, in dem sie sich ansiedelten. So waren die Mongolen in Zentralasien häufig Nestorianer, die in Persien Mohammedaner. In China selbst wie auch in der Mongolei wandte sich die mongolische Bevölkerung immer mehr dem Buddhismus in seiner lamaistischen Form zu, die dem Geist und dem Herzen der ursprünglich shamanistischen Mongolen am meisten zusagte. Bereits unter der Regierungszeit des ersten Mongolenkhans in China, dessen Mutter nestorianische Christin war, steig die Zahl der Mönche und Nonnen auf weit über 200 000 an. Obgleich auch die konfuzianischen Tempel Steuerfreiheit genossen, standen die Konfuzianer dem Aufblühen der verschiedenen Religionen, von denen bis auf den Taoismus alle Fremdreligionen darstellten, mit großer Sorge und Skepsis gegenüber. Sie waren jene Klasse, die unter den neuen Fremdherrschern am meisten benachteiligt war, da ihnen die Aufstiegsmöglichkeiten zu hohen Beamtenposten genommen waren. Ja selbst das althergebrachte konfuzianische Prüfungssystem war für lange Zeit abgeschafft worden. Als Verwaltungssprache fungierte sowohl Mongolisch als auch Chinesisch. Das Chinesische wurde aber nicht mehr in jener klassischen Form angewandt, wie es bisher unter den konfuzianischen Gelehrten üblich gewesen war, sondern in einer Form, die der vom Volk gesprochenen Sprache sehr viel näher stand und dadurch leichter verständlich war. nach oben Die mongolische Schrift Die mongolische Schrift ist im Gegensatz zur chinesischen ein alphabetisches Schriftsystem und wurde bereits zu Dschingis-Khans Zeiten (nach mongolischer Tradition im Jahre 1204) vom Uighurischen abgeleitet und den Bedürfnissen der mongolischen Sprache angepaßt. Die uighurische Schrift ihrerseits geht auf das Soghdische, das Soghdische wiederum auf das Aramäische zurück. Diese uighurisch-mongolische Schrift wird von den Mongolen der Volksrepublik heute noch benutzt. Die Mongolen, die in der Mongolischen Volksrepublik leben, schreiben ihre Sprache jedoch in zyrillischen Buchstaben, ähnlich wie auch der mongolische Volksstamm der Burjäten, der in der Burjätischen ASSR der Sowjetunion wohnt. In Anlehnung an das Christentum laufen auch die einzelnen Zeilen der uighurisch-mongolischen Schrift von oben nach unten. Auf dem Gebiet der chinesischen Literatur treten während der Mongolenzeit zwei Gattungen in den Vordergrund, das Drama und, wenngleich erst in Ansätzen, der Roman. Drama Beiden gemeinsam ist, daß sie – ebenso wie die Verwaltungssprache – jeweils auf der Volkssprache und nicht auf der klassischen Schriftsprache basieren. Das Drama erfreute sich in der Yuan-Zeit außerordentlicher Beliebtheit. Es war teils gesprochen, teils gesungen, wobei die gesungenen Partien häufig von Musik und Tanz begleitet wurden. Da bei diesen Veranstaltungen in der Regel keinerlei Bühnenausstattung vorhanden war, mußten verschiedene Gegebenheiten an Hand von Gesten und Bewegungen zum Ausdruck gebracht werden, denen auch im chinesischen Theater von heute noch eine große Bedeutung zukommt. Inhaltlich waren diese Dramen meist sehr einfach aufgebaut und in vier Aufzügen gegliedert. Roman Auf die ausgehende Song-Zeit und beginnende Yuan-Zeit geht auch die Entstehung des Romans in China zurück, seine Blütezeit erlebte er allerdings erst in der Ming-Zeit. Sein Ursprung dürfte in den buddhistischen Erzählungen der Tang-Zeit zu suchen sein. Zunächst scheint besonders der historische Roman gepflegt worden zu sein. Hierbei wurde irgendein interessantes geschichtliches Ereignis herausgegriffen und literarisch bearbeitet. In den späteren Romanen wurde dann der Boden der Geschichte verlassen, die Handlungen und Personen wurden frei erfunden, und der Phantasie wurde größerer Spielraum gewährt. Nicht selten scheint es sich bei den Autoren dieser Romane um stellenlose Literaten gehandelt zu haben. Die bekanntesten chinesischen Romane sind »Die Geschichte der drei Reiche« (14. Jahrhundert), »Reise nach dem Westen« und »Die Räuber von Lianshan-Moor«. Ähnlich wie auch die übrigen Romane existieren » Die Räuber von Lianshan-Moor« (chinesisch: Shui-hu-zhuan) in einer Vielzahl verschiedener Fassungen. Daher ist es vielfach sehr schwer, Autor und genaues Entstehungsjahr dieser Werke festzustellen. Die meisten dieser großen Romane sind Produkte der Ming-Zeit, reichen in ihren Ursprüngen jedoch auf die Yuan- oder sogar die Song-Zeit zurück. Die Romanliteratur wurde auch in der letzten Dynastie, der Qing-Dynastie, weiter fortgesetzt. Aus diesem Zeitraum ist uns ein berühmter Familienroman »Traum der roten Kammer« (chinesisch: Hong-lou-meng) erhalten. In diesem langen Roman wird mit blühender Phantasie das Leben einer vornehmen Familie in allen Details beschreiben, und über 400 Personen wurden auf interessante Weise charakterisiert. Die meisten der berühmten chinesischen Romane, von denen wir hier nur einige aufgezählt haben, sind (zumindest in gekürzter Form) bereits in westliche Sprachen, auch ins Deutsche, übersetzt worden. Da sie in der Umgangssprache bzw. Volkssprache der damaligen Zeit und nicht in der klassischen Schriftsprache gehalten sind, galten sie unter den klassischen chinesischen Literaten bin ins 20. Jahrhundert als minderwertige oder zumindest zweitrangige Literatur. Den Höhepunkt seiner Machtentfaltung hatte das Yuan-Reich bereits unter seinem ersten Kaiser Khubilai erreicht. Anschließend kam es immer wieder zu schweren internen Machtkämpfen unter den Mongolen um die Thronfolge in China. Eine weitere Gefahr für den Weiterbestand des Reiches und der Dynastie bildete die katastrophale wirtschaftliche Lage, in die der Staat insbesondere dadurch geraten war, daß er Papiergeld in immer größeren Mengen in Umlauf brachte, ohne daß diese horrenden Beträge gedeckt gewesen wären. Als Folge davon stellte sich eine rapid steigende Inflation ein, durch die die Bevölkerung des Landes in immer größere Schwierigkeiten geriet. Hierzu kamen noch eine Reihe von Naturkatastrophen, vor allem Dürreperioden und Überschwemmungen, die in mehreren Teilen des Reiches zu Hungersnöten führten. In den letzten dreißig Jahren der Mongolen-Dynastie brachen in verschiedenen Teilen des Reiches, insbesondere im Huang He- und Yangzi-Gebiet, schwere Aufstände aus, und lokale Heerführer versuchten Landesteile an sich zu reißen. Als Sieger aus diesen Wirren ging schließlich Zhu Yuanzhang (1328 bis 1398), ein Mann aus dem Volk hervor. Er schaltete die verschiedenen lokalen Machthaber, die einzelnen Gebiete an sich gerißen hatten, nach und nach aus, eroberte 1356 Nanking und richtete dort eine gut funktionierende Verwaltung ein. 1368 zog er weiter nach Norden und eroberte weitere Gebiete, einschließlich der Mongolen-Hauptstadt Da-du (=Peking). Nach deren Einnahme ließ er in Nanking die neue Ming-Dynastie und sich selbst zu deren erstem Kaiser ausrufen. nach oben |
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