Yuan Dynastie

Yuan Dynastie
1280-1368

 Reichseinteilung durch die Mongolen

Nach den Zusammenbruch der Tang-Dynastie (906) war China fast vier Jahrhunderte lang in mehrere Teilstaaten aufgespalten. Fremddynastien beherrschten den Norden, der Machtbereich des chinesischen Kaiserhauses der Song war auf den S├╝den des Reiches beschr├Ąnkt. Bereits im 12. Jahrhundert war ab 1127 das nomadische Reitervolk der Mongolen in den n├Ârdlichen von China gelegenen Steppen- und W├╝stengebieten zu ungeheurer Macht erstarkt. Den H├Âhepunkt ihrer Macht erreichten die Mongolen jedoch erst im 13. Jahrhundert unter Dschingis-Khan sowie unter seinen S├Âhnen und Enkeln.

Neugliederung und Straffung des mongolischen Reiterheeres

Im Jahre 1206, einem ┬╗Tigerjahr┬ź, war Dschingis-Khan an der Quelle des Onon von den Sippen├Ąltesten und Stammesh├Ąuptlingen der mongolischen St├Ąmme und V├Âlker zum ┬╗qagan┬ź (=Khan), zum Kaiser des mongolischen Steppenreichs, gew├Ąhlt worden. Unmittelbar nach seiner Wahl zum Khan aller Mongolen f├╝hrte er eine Neugliederung und Straffung des mongolischen Reiterheeres durch, das in der Folge die V├Âlker vom Pazifischen Ozean im Osten bis nach Mitteleuropa im Westen erzittern lie├č. Die fr├╝here Unterteilung des Mongolenheeres nach Sippen, St├Ąmme und V├Âlker mu├čte einer neuen Strukturierung nach Dezimaleinheiten weichen: Zehn Zehnerschaften bildeten eine Hundertschaft, zehn Hundertschaften eine Tausendschaft, zehn Tausendschaften eine Zehntausendschaft (=t├╝men). Die Offiziere, die diese Einheiten befehligten, waren nicht mehr wie fr├╝her Stammesh├Ąuptlinge oder Steppenaristokraten, sonder vom Khan pers├Ânlich ernannte Heeresf├╝hrer und Kommandeure. Die Aufstellung von Truppenkontingeten nach Dezimaleinheiten wurde strengstens eingehalten. War die volle Zahl mit einheimischen Mongolenkriegern nicht zu erreichen, wurde der Rest mit stammesfremden Reitern bzw. Soldaten aufgef├╝llt. Bedingungsloser Gehorsam, strenge Disziplin und hervorragende reiterische F├Ąhigkeiten waren denn auch der Schl├╝ssel zu den gro├čen Erfolgen der mongolischen Reiterhorden. Zur Zeit der Vernichtung des Xi-xia-Staates hatte die mongolische Armee eine St├Ąrke von zirka 130 000 Mann, auf dem H├Âhepunkt ihrer milit├Ąrischen Machtentfaltung ungef├Ąhr die doppelte Anzahl. Die Gesamtzahl der mongolischen Bev├Âlkerung im 14. Jahrhundert wird auf ein bis drei Millionen gesch├Ątzt.

Siegesreiche Feldz├╝ge

Bereits unmittelbar nach der Wahl von Dschingis-Khan zu obersten Herrscher aller Mongolen setzte eine Reihe von Feldz├╝gen ein, die als die grausamsten und blutigsten in die Geschichte eingegangen sind. Die ersten dieser Feldz├╝ge galten den unmittelbaren Nachbarn, den Tanguten und den Dschurdschen. W├Ąhrend die Tanguten 1209 den Mongolen unterlagen und ihre Oberhoheit anerkennen mu├čten, fielen in den Jahren 1211 bis 12115 auch gro├če Teile des Dschurdschen-Reiches, darunter deren Hauptstadt Peking, den Mongolen in die H├Ąnde. Die endg├╝ltige Vernichtung des Tanguten-Reiches und damit der Untergang der Xi-xia-Dynastie erfolgte im Jahr 1227, der totale Sieg ├╝ber die Jin-Dynastie der Dschurdschen 12134. Damit hatten die Mongolen ganz Nordchina unter ihrer Kontrolle. Bereits vorher, noch unter Dschingis-Khan selbst, war das Reich der Westlichen Liao, einer Splittergruppe des gro├čen Khitan-Volkes, das der Vernichtung entgangen war, dem Mongolenreich einverleibt worden. Auch das gro├če t├╝rkische Reich der Khwarezmer war dem Ansturm der Mongolen nicht gewachsen. In China selbst reichte das Mongolenreich mittlerweile bis zum Huai-Flu├č, der vorher auch die Grenze zwischen dem S├╝d-Song-Staat und den Dschurdschen gebildet hatte. Nachdem Dschingis-Khan 1227 im Alter von 60 Jahren den Tod gefunden hatte, f├╝hrten seine vier S├Âhne Ogadai, Tschaghatai, Dsch├Âtschi und Tolui sowie seine Enkel sein Werk fort: Unter F├╝hrung des Gro├čkhans M├Ângke, eines Sohnes von Tolui, drangen sie immer weiter nach S├╝den vor und eroberten die s├╝dwestlichen Gebiete bin in die Gegend des heutigen Vietnam. Als der Gro├čkhna M├Ângke im Jahr 1259 in Sichaun starb, folgte im sein Bruder Khubilai als Gro├čkhan nach.

Khubilai geh├Ârte ohne Zweifel zu den gr├Â├čten und f├Ąhigsten Herrschergestalten des Fernen Ostens. 1260 zum Gro├čkhan gew├Ąhlt, kam es zun├Ąchst zu einer schweren Auseinandersetzung zwischen ihm und seinem Bruder, der ebenfalls Anspruch auf den Thron erhob. Khubilai blieb jedoch Sieger, und der widmete seine ganze Kraft und Energie der Eroberung Chinas. 1276 ├╝berschritt er mit seinem wendigen Reiterheer den Langen Flu├č (Yangzi Jiang) und nahm Hangzou, die Hauptstadt der S├╝dlichen Song-Dynastie, ein. Von dort zog er weiter nach S├╝den und eroberte auch Guangzou, die letzte Bastion im S├╝den des Reichs. Nachdem dann auch die noch ├╝briggebliebenen Kriegsschiffe der Song-Flotte zerst├Ârt waren und die letzten Mitglieder der kaiserlichen Familie, die auf einem Schiff aufs Meer hinaus geflohen waren, sich in ihrer Verzweiflung ins Meer gest├╝rzt hatten, stand der totalen Macht├╝bernahme durch die Mongolen und der Gr├╝ndung einer neuen Dynastie kein Hindernis mehr entgegen.                                                                         nach oben

Da-du und Shang-du

Die neue Dynastie erhielt den Namen Yuan (Ursprung, Anfang). Es war dies das erste Mal in der Geschichte Chinas, da├č eine Dynastie ihren Namen nicht von einer geographischen Bezeichnung bzw. einem Clan- oder Stannesnamen ableitet. Die Hauptstadt des Mongolenreiches wurde von Karakorum in der Mongolei nach Da-du (=gro├če Hauptstadt, heute Peking) verlegt. Sommerresidenz der Mongolen wurde Shang-du (=obere Hauptstadt, beim heutigen Dolonnur in der Inneren Mongolei). Nach der Eroberung Chinas stand die Yuan-Dynastie, die erste Fremddynastie, die das gesamte Staatsgebiet Chinas unter Kontrolle hatte, vor gewaltigen administrativen Problemen. Wenngleich die Mongolen im wesentlichen den chinesischen Verwaltungsapparat, wie er bereits in der Tang- und der Song-Zeit gehandhabt wurde, ├╝bernahmen, so ergaben sich dennoch viele Schwierigkeiten, die die neuen Machthaber vor allem mit Hilfe eines f├Ąhigen Ministers, eines geborenen Khitans namens Yel├╝ Chucai, und anderer chinesischer Berater zu bew├Ąltigen versuchten. Um das Land leichter regieren zu k├Ânnen, teilten die Mongolen die Bev├Âlkerung des Reiches in vier Gruppen ein, denen jeweils unterschiedliche Rechte zustanden.

Vier Bev├Âlkerungskategorien

Die Spitze des Staatsvolkes bildeten nat├╝rlich die Mongolen selbst, welche die regierende Oberschicht darstellten (Meng-gu-ren).
Als zweite Gruppe, mit bereits weniger Rechten ausgestattet, folgten ihre Verb├╝ndeten aus Zentralasien und sogar aus Staaten westlich des Pamir: T├╝rken, Perser, Syrer und andere V├Âlkerschaften, die sogenannten Se-mu-ren.
Die dritte Gruppe bildeten die sogenannten Han-ren, w├Ârtlich Chinesen. In diesem speziellen Fall verstand man darunter auch nur die Nordchinesen (einschlie├člich Koreanern, Dschurdschen und Khitan).
An vierter und damit unterster Stelle rangierten die Manzi. Das waren die S├╝dchinesen, die ÔÇô obwohl numerisch die st├Ąrkste Gruppe ÔÇô rechtlich am schlechtesten gestellt waren.

Insgesamt z├Ąhlte das Reich zu Beginn der Yuan-Dynastie im Jahre 1290 noch chinesischen Quellen 58 840 000 Einwohner.

In einem Gesetzeskodex der Yuan-Zeit, dem Yuan-dian-zhang, sind die Rechte der einzelnen Klassen jeweils genau festgehalten. So wurden z.B. weder der Nord- noch S├╝dchinesen beim Milit├Ąrdienst in leitende Offiziersstellungen aufgenommen noch auf h├Âhere Verwaltungsposten berufen. Auch war der Privatgebrauch von Waffen nur den Mongolen und ihren engsten Mitarbeitern, den Se-mu-ren, erlaubt.

W├Ąhrend im Gebiet s├╝dlich des Yangzi-Flusses die landwirtschaftliche Produktion in ungef├Ąhr derselben Form, wie sie bereits w├Ąhrend der S├╝dlichen Song-Dynastie dort bestanden hatte, weiterbetrieben wurde, ist sie im Norden Chinas stark beeintr├Ąchtigt worden. Auf der einen Seite wurden n├Ąmlich ausgedehnte Staatsl├Ąndereien von den Mongolen beschlagnahmt und an mongolische Adelsfamilien verteilt. Andererseits wurden auch chinesischen Bauern im Norden Chinas h├Ąufig ihre Felder unter ihr Ackerland entrissen und als Weideland f├╝r die vielen Pferde, die die Mongolen mitgebracht hatten, verwendet.                                                                nach oben

Ausbau des Kaiserkanals

Wenngleich die Bauprojekte, die w├Ąhrend der Yuan-Dynastien durchgef├╝hrt wurden, bei weitem nicht das Ausma├č einiger fr├╝heren Dynastien erreichten, so machten doch einige administrative Ma├čnahmen wie etwa die Verlegung der Hauptstadt noch Peking einen weiteren Ausbau der Transportwege notwendig. So wurde, um die Hauptstadt mit Korn und Reis aus dem fruchtbaren S├╝den zu versorgen, das bereits existierende System des Gro├čen Kanals oder ┬╗Kaiserkanal┬ź durch einen ┬╗Verbindungskanal┬ź im Norden erweitert. Ferner bl├╝hte auch der Handel im 14. Jahrhundert in China erneut auf. Die Landverbindung nach Zentralasien und dar├╝ber hinaus bis Indien Mittleren und Vorderen Orient war nach Beendigung der Eroberungskriege in diesem Raum wieder uneingeschr├Ąnkt hergestellt.

Papiergeld, Postwesen

Einen weiteren Aufschwung erfuhr der Handel vor allem auch durch die immer st├Ąrkere Verwendung und Verbreitung von Papiergeld als ├Âffentliches Zahlungsmittel, welches bereits in der Song-Zeit aufgekommen war. Auch der Ausbau eines Postsystems mit einem immer enger werdenden Netz von Poststationen wirkte sich sehr positiv auf den Handel aus. Neben dem Binnenhandel entwickelte sich auch der Seehandel in einer Reihe chinesischer St├Ądte wie Guangzhou, Quanzhou, Shanghai, Ningbo, Wenzhou und anderen zu h├Âchster Bl├╝te.

Marco Polo

Im Zeitalter der Mongolen-Dynastie kamen sich auch China und Europa geistig n├Ąher. Eine ganze Reihe von Europ├Ąern, meist Kaufleute und Missionaren, waren auf dem Landwege ├╝ber Zentralasien nach China gereist und haben nach ihrer R├╝ckkehr in Europa vieles ├╝ber China erz├Ąhlt. Der bekannteste dieser Reisenden war Marco Polo (1254 bis 1324), der ein umfangreiches Werk ├╝ber das China in der Mongolenzeit, ├╝ber den Kaiserhof, ├╝ber Sitten und Gebr├Ąuche geschrieben hat. Leider ist die Originalfassung nicht erhalten geblieben, doch existiert das Werk in mehr als 100 verschiedenen Manuskripten, von denen die meisten in lateinischer, franz├Âsischer oder italienischer Sprache abgefa├čt sind, wobei sich die einzelnen Texte manchmal nicht unerheblich voneinander unterscheiden.

Der Vater Marco Polos, Niccolo Polo, und dessen Bruder Maffeo hatten bereits zwischen 1260 und 1269 eine Reise nach China unternommen und Marco auf einer zweiten Reise, die sie im Jahr 1271 antraten, mitgenommen. Ihr Weg f├╝hrte sie ├╝ber Pal├Ąstina und T├Ąbris an den Persischen Golf und von dort weiter ├╝ber Persien nach Pakistan. Dann ├╝berquerten sie das Pamir-Gebirge und zogen entlang der W├╝ste Taklamakan ├╝ber Lop Nor in die Hauptstadt des Mongolenkaisers Khubilai. Anschlie├čend stand Marco Polo siebzehn Jahre lang (von 1275 bis 1292) im Dienste des Mongolenhaus. Im Jahr 1292 traten die drei Venezianer wieder ihre Heimreise an, und zwar zur See ├╝ber das S├╝dchinesische Meer, entlang den K├╝sten von Vietnam, Sumatra, Sri-Lanka, Vorderindien bis an den Persischen Golf. Von dort aus reisten sie ├╝ber Persien und Armenien zu Land nach Konstantinopel, von wo sie wiederum mit dem Schiff nach Venedig fuhren (1295).

Seinen langen und ausf├╝hrlichen Bericht ├╝ber die Reise nach China und den siebenj├Ąhrigen Aufenthalt diktierte er schlie├člich in einem genuesischen Gef├Ąngnis einem Mith├Ąftling in franz├Âsischer Sprache. Obwohl der Bericht eine Reihe von Ungereimtheiten und ├ťbertreibungen enth├Ąlt, geh├Ârt er mit zu den interessantesten und aufschlu├čreichsten ├╝berhaupt. Da Marco Polo in seinen Ausf├╝hrungen von einer Kultur und Zivilisation im Fernen Osten berichtete, die der unseren damals weit ├╝berlegen war, wollte man ihm zun├Ąchst keinen Glauben schenken, und er wurde mit dem Beinamen der ┬╗Aufschneider┬ź bedacht.                                                                 nach oben

Franziskanermission

Neben Kaufleuten und H├Ąndlern kam es in der Mongolenzeit auch zu einer ersten Kontaktaufnahme zwischen China und der r├Âmisch-katholischen Kirche. Nachen die Kreuzz├╝ge in das Heilige Land nicht den gew├╝nschten Erfolg gebracht hatte und die letzten christlichen Besitzungen dort bereits ein Jahrzehnt nach der Machtergreifung der Mongolen in China von den Mohammedanern erobert worden waren, entsandte der Heilige Stuhl eine Reihe von Franziskanerm├Ânche in die Mongolei und nach China, um sich dort nach M├Âglichkeiten einer Missionierung dieser Gebiete zu erkundigen und gleichzeitig wahrscheinlich auch, um zu sondieren, wieweit das christliche Abendland eventuell von mongolischer Seite mit Hilfe gegen die Mohammedaner rechnen k├Ânne.

Unter Johann von Montecorvino, einem italaienischen Franziskanerpater, der 1295 in Peking eintraf, wurde eine katholische Kirche, wahrscheinlich die erste in China, erbaut. 1304 wurden in Peking 6000 Menschen getauft, drei Jahre sp├Ąter Johann von Montecorvino zum neuen Erzbischof von Cambaluc ( = Peking) ernannt. Zwei weitere Franziskanerm├Ânche, die ebenfalls in dieser Zeit in China t├Ątig waren, sind Oderich von Pordenone und Johann von Marignolli. Letzterer, von Papst Benedikt XII. 1340 nach China entsandt, erreichte China auf dem Landweg und wurde 1342 vom Mongolenkaiser in Peking empfangen.

Die Mongolenkaiser zeigten sowohl in bezug auf die etablierte Religion wie Buddhismus, Taoismus und nestorianisches Christentum als auch den beiden neu eingef├╝hrten Religionen, dem Islam und dem Katholizismus gegen├╝ber, gro├če Toleranz. Alle religi├Âsen Einrichtungen wie Tempel und Kl├Âster (auch die Konfuzianischen Tempel) waren von s├Ąmtlichen Steuern befreit. Die Mongolen selbst nahmen h├Ąufig die Religion jenes Gebietes an, in dem sie sich ansiedelten. So waren die Mongolen in Zentralasien h├Ąufig Nestorianer, die in Persien Mohammedaner. In China selbst wie auch in der Mongolei wandte sich die mongolische Bev├Âlkerung immer mehr dem Buddhismus in seiner lamaistischen Form zu, die dem Geist und dem Herzen der urspr├╝nglich shamanistischen Mongolen am meisten zusagte. Bereits unter der Regierungszeit des ersten Mongolenkhans in China, dessen Mutter nestorianische Christin war, steig die Zahl der M├Ânche und Nonnen auf weit ├╝ber 200 000 an.

Obgleich auch die konfuzianischen Tempel Steuerfreiheit genossen, standen die Konfuzianer dem Aufbl├╝hen der verschiedenen Religionen, von denen bis auf den Taoismus alle Fremdreligionen darstellten, mit gro├čer Sorge und Skepsis gegen├╝ber. Sie waren jene Klasse, die unter den neuen Fremdherrschern am meisten benachteiligt war, da ihnen die Aufstiegsm├Âglichkeiten zu hohen Beamtenposten genommen waren. Ja selbst das althergebrachte konfuzianische Pr├╝fungssystem war f├╝r lange Zeit abgeschafft worden.

Als Verwaltungssprache fungierte sowohl Mongolisch als auch Chinesisch. Das Chinesische wurde aber nicht mehr in jener klassischen Form angewandt, wie es bisher unter den konfuzianischen Gelehrten ├╝blich gewesen war, sondern in einer Form, die der vom Volk gesprochenen Sprache sehr viel n├Ąher stand und dadurch leichter verst├Ąndlich war.                                           nach oben

Die mongolische Schrift

Die mongolische Schrift ist im Gegensatz zur chinesischen ein alphabetisches Schriftsystem und wurde bereits zu Dschingis-Khans Zeiten (nach mongolischer Tradition im Jahre 1204) vom Uighurischen abgeleitet und den Bed├╝rfnissen der mongolischen Sprache angepa├čt. Die uighurische Schrift ihrerseits geht auf das Soghdische, das Soghdische wiederum auf das Aram├Ąische zur├╝ck. Diese uighurisch-mongolische Schrift wird von den Mongolen der Volksrepublik heute noch benutzt. Die Mongolen, die in der Mongolischen Volksrepublik leben, schreiben ihre Sprache jedoch in zyrillischen Buchstaben, ├Ąhnlich wie auch der mongolische Volksstamm der Burj├Ąten, der in der Burj├Ątischen ASSR der Sowjetunion wohnt. In Anlehnung an das Christentum laufen auch die einzelnen Zeilen der uighurisch-mongolischen Schrift von oben nach unten. Auf dem Gebiet der chinesischen Literatur treten w├Ąhrend der Mongolenzeit zwei Gattungen in den Vordergrund, das Drama und, wenngleich erst in Ans├Ątzen, der Roman.

Drama

Beiden gemeinsam ist, da├č sie ÔÇô ebenso wie die Verwaltungssprache ÔÇô jeweils auf der Volkssprache und nicht auf der klassischen Schriftsprache basieren. Das Drama erfreute sich in der Yuan-Zeit au├čerordentlicher Beliebtheit. Es war teils gesprochen, teils gesungen, wobei die gesungenen Partien h├Ąufig von Musik und Tanz begleitet wurden. Da bei diesen Veranstaltungen in der Regel keinerlei B├╝hnenausstattung vorhanden war, mu├čten verschiedene Gegebenheiten an Hand von Gesten und Bewegungen zum Ausdruck gebracht werden, denen auch im chinesischen Theater von heute noch eine gro├če Bedeutung zukommt. Inhaltlich waren diese Dramen meist sehr einfach aufgebaut und in vier Aufz├╝gen gegliedert.

Roman

Auf die ausgehende Song-Zeit und beginnende Yuan-Zeit geht auch die Entstehung des Romans in China zur├╝ck, seine Bl├╝tezeit erlebte er allerdings erst in der Ming-Zeit. Sein Ursprung d├╝rfte in den buddhistischen Erz├Ąhlungen der Tang-Zeit zu suchen sein. Zun├Ąchst scheint besonders der historische Roman gepflegt worden zu sein. Hierbei wurde irgendein interessantes geschichtliches Ereignis herausgegriffen und literarisch bearbeitet. In den sp├Ąteren Romanen wurde dann der Boden der Geschichte verlassen, die Handlungen und Personen wurden frei erfunden, und der Phantasie wurde gr├Â├čerer Spielraum gew├Ąhrt. Nicht selten scheint es sich bei den Autoren dieser Romane um stellenlose Literaten gehandelt zu haben.

Die bekanntesten chinesischen Romane sind ┬╗Die Geschichte der drei Reiche┬ź (14. Jahrhundert), ┬╗Reise nach dem Westen┬ź und ┬╗Die R├Ąuber von Lianshan-Moor┬ź. ├ähnlich wie auch die ├╝brigen Romane existieren ┬╗ Die R├Ąuber von Lianshan-Moor┬ź (chinesisch: Shui-hu-zhuan) in einer Vielzahl verschiedener Fassungen. Daher ist es vielfach sehr schwer, Autor und genaues Entstehungsjahr dieser Werke festzustellen. Die meisten dieser gro├čen Romane sind Produkte der Ming-Zeit, reichen in ihren Urspr├╝ngen jedoch auf die Yuan- oder sogar die Song-Zeit zur├╝ck. Die Romanliteratur wurde auch in der letzten Dynastie, der Qing-Dynastie, weiter fortgesetzt. Aus diesem Zeitraum ist uns ein ber├╝hmter Familienroman ┬╗Traum der roten Kammer┬ź (chinesisch: Hong-lou-meng) erhalten. In diesem langen Roman wird mit bl├╝hender Phantasie das Leben einer vornehmen Familie in allen Details beschreiben, und ├╝ber 400 Personen wurden auf interessante Weise charakterisiert.

Die meisten der ber├╝hmten chinesischen Romane, von denen wir hier nur einige aufgez├Ąhlt haben, sind (zumindest in gek├╝rzter Form) bereits in westliche Sprachen, auch ins Deutsche, ├╝bersetzt worden. Da sie in der Umgangssprache bzw. Volkssprache der damaligen Zeit und nicht in der klassischen Schriftsprache gehalten sind, galten sie unter den klassischen chinesischen Literaten bin ins 20. Jahrhundert als minderwertige oder zumindest zweitrangige Literatur.

Den H├Âhepunkt seiner Machtentfaltung hatte das Yuan-Reich bereits unter seinem ersten Kaiser Khubilai erreicht. Anschlie├čend kam es immer wieder zu schweren internen Machtk├Ąmpfen unter den Mongolen um die Thronfolge in China. Eine weitere Gefahr f├╝r den Weiterbestand des Reiches und der Dynastie bildete die katastrophale wirtschaftliche Lage, in die der Staat insbesondere dadurch geraten war, da├č er Papiergeld in immer gr├Â├čeren Mengen in Umlauf brachte, ohne da├č diese horrenden Betr├Ąge gedeckt gewesen w├Ąren. Als Folge davon stellte sich eine rapid steigende Inflation ein, durch die die Bev├Âlkerung des Landes in immer gr├Â├čere Schwierigkeiten geriet. Hierzu kamen noch eine Reihe von Naturkatastrophen, vor allem D├╝rreperioden und ├ťberschwemmungen, die in mehreren Teilen des Reiches zu Hungersn├Âten f├╝hrten. In den letzten drei├čig Jahren der Mongolen-Dynastie brachen in verschiedenen Teilen des Reiches, insbesondere im Huang He- und Yangzi-Gebiet, schwere Aufst├Ąnde aus, und lokale Heerf├╝hrer versuchten Landesteile an sich zu rei├čen. Als Sieger aus diesen Wirren ging schlie├člich Zhu Yuanzhang (1328 bis 1398), ein Mann aus dem Volk hervor. Er schaltete die verschiedenen lokalen Machthaber, die einzelnen Gebiete an sich geri├čen hatten, nach und nach aus, eroberte 1356 Nanking und richtete dort eine gut funktionierende Verwaltung ein. 1368 zog er weiter nach Norden und eroberte weitere Gebiete, einschlie├člich der Mongolen-Hauptstadt Da-du (=Peking). Nach deren Einnahme lie├č er in Nanking die neue Ming-Dynastie und sich selbst zu deren erstem Kaiser ausrufen.                                                                                                           nach oben

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